Zum Inhalt springen
Wissen. Praxis. Perspektiven.

phronesis

Phronesis (φρόνησις): praktische Weisheit - eine der vier Kardinaltugenden (arete). Nicht theoretisches Wissen, sondern die Fähigkeit zu urteilen, was in der konkreten Situation gut und richtig zu tun ist.

Marcus (4.37): "Weisheit und gerechtes Handeln sind ein und dasselbe." Phronesis ist damit keine bloße intellektuelle Leistung, sondern identisch mit dem tugendhaften Vollzug - sie zeigt sich im Handeln, nicht im Wissen darüber. In 5.9: "Es gibt nichts so Angenehmes wie die Weisheit selbst."

Chrysipp: Die vier Tugenden (Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Besonnenheit) bilden eine Einheit - wer Phronesis vollständig hat, hat alle anderen auch. Denn Phronesis ist das Wissen, was gut ist - und dieses Wissen schließt das Wissen ein, wie man gerecht, tapfer und besonnen handelt.

Epiktet verwendet Phronesis seltener als Marcus, betont aber denselben Gedanken: Wahre Einsicht und tugendgemäßes Handeln sind untrennbar (Unterredungen 2.21.9).

Abzugrenzen von: theoretischer Weisheit (sophia), die auf die Prinzipien des Ganzen gerichtet ist. Phronesis ist praktisch orientiert.

Weitergeben

Teile einen guten Gedanken.

Wenn dir ein Beitrag hilfreich war, kannst du ihn unkompliziert weitergeben.