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oiesis

Oiesis (οἴησις): Einbildung, Selbsttäuschung - das arrogante Für-wahr-Halten falscher Meinungen über sich selbst oder die Welt. Eng verwandt mit doxa, aber mit dem Zusatz der Selbstgefälligkeit: Oiesis ist nicht nur Irrtum, sondern Irrtum, der sich für Einsicht hält.

Epiktet (Unterredungen 3.14.8): Zwei Dinge müssen aus dem Menschen ausgerottet werden - Oiesis und Apistia (Misstrauen/Schüchternheit). Unsere Einbildung, Arroganz und falschen Meinungen müssen entfernt werden, zusammen mit den pathe (2.17.1).

Heraklit nannte Selbsttäuschung "eine schreckliche Krankheit" (Diogenes Laertius 9.7) - die Stoiker boten ihre Praktiken als Heilmittel an. Die Herausforderung: Oiesis verdeckt sich selbst. Der dokimazein-Prozess (dokimazein) zielt darauf, auch die selbsttäuschende Schicht zu durchdringen.

Verwandt: hypolepsis (tief sitzende Annahmen), dogma (Grundüberzeugungen), hamartano (Irrtum und Fehler).

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